„Hagenbuttentee können sie im Kantonsspital-Bistro bestellen“, sagt der Kellner einer Dame und einem Herrn am Nebentischchen. Als er mir auch noch ein Gläschen Wasser zum Kaffée verweigert, hauts mir den Nuggi raus. Mit „der kommt in die nächste Kolumne“ schraube ich den Adrenalin-Schub wieder zurück und schiebe dieses Altstadt-Vorkommnis in denselben internen Ordner, in dem bereits der Winterthurer Buschauffeur und der Zürcher Tramführer liegen, die mir vor der Nase abfuhren, respektive eine alte, gebrechliche Frau, die wohl an der Haltestelle, aber etwas von der Strasse entfernt stand und ein paar Sekunden brauchte bis sie den Türöffnerknopf drücken konnte, nicht mehr einsteigen liessen. Dabei sind die Rückspiegel dieser Transportkisten soo riesig. Nur eben nützen diese nix, wenn das Fingerspitzengefühl der Driver soo klein ist.
„Wir sind bereit für die Euro“, verschreit gleichzeitig die Blaulicht-Fraktion von Feuer- und anderen Wehren. Das mag ja sein. Kommen die Fussballfans, die aus ganz Europa anreisen, mit diesen Einsatzkräften aber ernsthaft in Kontakt, ist es um das Image der schönen, friedlichen Schweiz bereits geschehen. Aber einmal angenommen, die Feuerwerkskörper bleiben bis zum 1. August zu Hause im Schrank und die Strassen werden nicht um ihre Pflastersteine erleichtert, dann muss die Bevölkerung an das „Zu Gast bei Freunden“-Image der WM 06 anknüpfen. Dann sind wir mal gefordert zu beweisen, dass nicht nur unsere Nachbarländer in Sache Gastfreundschaft gross auftrumpfen.
Wir müssen doch nicht zwingend zur nationalen Festhütte werden, wie es Deutschland vor zwei Jahren war. Wir sind nun mal etwas weniger rasch aus dem Häuschen zu bringen, lassen uns aber gerne von unseren Gästen aus dem Busch klopfen, so dass wir dann bereit sind, sollte unsere Nationalmannschaft trotz „Köbi die Wurst“ den einen oder anderen Sieg einfahren. Lieber also im Vorfeld als „Euromuffels“ abgestempelt werden und dafür die stilleren, aber nicht minder effizienten Vorbereitungen eines unkomplizierten, aufmerksamen Gastgebers getroffen haben.
Springen wir über unseren Schatten und kommen mal weg von unseren sturen Fahrplänen, Konzepten und Vorgaben, zeigen Fingerspitzengefühl und lassen auch mal überaus grosszügig ein Glas Wasser springen, ein Auto hupen lassen, dann kommts gut. Dann heissts nach gewonnenem Endspiel gegen Deutschland: „Wir waren alle bereit!“